Zugegeben, es ist ein wenig zu spät für sowas. Doch leider habe ich gerade eben erst diese Seite der Textakademie entdeckt, die uns drei vorweihnachtliche Einstiegstechniken für einen Brief präsentieren.

Da Weihnachten noch nicht da ist, dachte ich mir, dass ich Euch, liebe Leser, diese drei Vorschläge noch schnell präsentieren möchte. Denn, die sind gut.

Wie jeder weiß, entscheidet sich bereits beim ersten Überfliegen des Briefes, ob ein Brief gelesen wird oder in den Papierkorb wandert. Sie haben nur wenige Augenblicke und einige kurze Sätze Zeit, die Aufmerksamkeit des Lesers zu fesseln. Gut, wenn Ihr Brief beim ersten „Überfliegen“ klare Vorteile signalisiert. Und wenn die Headline zum Einstieg motiviert. Nun will der Betrachter mehr: Er beginnt zu lesen. Jetzt kommt es darauf an, das positive Grundgefühl schon mit dem ersten gelesenen Briefabsatz zu verstärken. „Typische“ Briefeinstiege erleichtern den Start in den Brief.

Einstiegstechnik Nr. 1: Das Erzeugen von Druck
Hier legt der Schreiber den Fokus auf eine Gefahr. Etwas könnte versäumt werden oder der Leser könnte in eine drohende Gefahrensituation geraten. Gehen Sie sehr bedacht mit dieser Einstiegstechnik um. Denn wird diese Variante überspannt, möchte sich Ihr Leser des übermächtigen Drucks und Ihres Briefes auf dem schnellsten Wege entledigen.

Sehr geehrter Herr Müller,
das Kundengeschenk zu Weihnachten ist ein wichtiges Instrument zur Kundenbindung. Es sollte mit Ruhe und Sorgfalt ausgewählt werden. Unter Zeitdruck ausgewählte Präsente treffen selten den Geschmack des Beschenkten. Er fühlt sich lieblos behandelt und vielleicht sogar belästigt. Entscheiden Sie deshalb schon heute, womit Sie Ihren treuen Geschäftspartnern, Kunden und Lieferanten eine echte Freude bereiten können!

Hier wird ein Szenario entworfen, das unbedingt vermieden werden muss. Um zu verhindern, dass der Leser in diese Lage kommt, muss er schnell handeln. Die Zeit drängt. Dennoch hat der Schreiber die negativen Emotionen nicht zu hoch kochen lassen. Der Tenor bleibt sachlich und die Lösung für die drohende missliche Lage ist schon parat: Im Folgenden erhält der Unternehmer ein Angebot für ein individuell gestaltetes Weihnachtsgeschenk, das er gleich bestellen kann. Der aufgebaute Druck bekommt ein Ventil, das ihm augenblicklich Erleichterung verschafft.

Einstiegstechnik Nr. 2: Der „Ich-Erzähler“
Bei dieser Form des Briefeinstiegs tritt der Schreiber stark in den Vordergrund. Der Brief wirkt besonders persönlich. Der Bericht über ein sehr individuelles Ereignis ist eine seltene Form, in einen Brief einzusteigen. Ist der Anlass passend gewählt, kann diese Variante besonders authentisch und sehr wirksam sein. Andererseits stellt dieser Briefeinstieg besonders hohe Anforderungen an die Bereitschaft des Lesers, sich auf ihn einzulassen.

Sehr geehrter Herr Schmidt,
vor einigen Tagen war ich in unserem schönen Augsburg unterwegs, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Beim Vorbeigehen fiel mein Blick in zahlreiche Schaufenster. Weihnachtliche Stimmung regte sich in mir bei all den vielen Tannenzweigen, Kugeln und Strohsternen, die mir da entgegenstrahlten …

So könnte beispielsweise der Werbebrief eines Anbieters für spezielle Elemente der Schaufenstergestaltung aussehen. Im Schreiben wird ausgeführt, wie der besondere Aufsteller etc. der Ausstellungsfläche den individuellen „Kick“ verleiht. In diesem Fall ist der sehr persönliche Einstieg geeignet, um auf das ausgeprägte Einfühlungsvermögen des Schreibers hinzuweisen.

Einstiegstechnik Nr. 3: Schreiben Sie persönlich
Ein Brief muss wirken wie ein Brief. Und er gibt seit Goethe das Signal: „Ich bin eine persönliche Botschaft für Dich.“ Denn Briefe sind Gespräche auf lange Distanz. Hier spricht ein Mensch mit einem anderen. Das heißt, das Signal „persönliche Botschaft“ wird nur gesetzt, wenn der Brief als solcher erkannt wird. Und das fängt schon bei der Gestaltung an: Vermittelt er hier den Eindruck einer reinen Produktinformation oder anonymen Massensendung, verlieren wir also ein wichtiges Signal auf dem Weg zur Reaktion.

Liebe Frau Meier,
Hand aufs Herz: Wie schön wäre es, in der Vorweihnachtszeit einmal tief
durchzuschnaufen? Keine Termine, keine Verabredungen und kein Organisieren. Stattdessen: Einfach mal die Seele baumeln lassen. Sie denken, das ist unmöglich? Gerade jetzt? Gönnen Sie sich ein paar Stunden Entspannung pur. Wir verwöhnen Sie. Besuchen Sie uns in unserem 5-Sterne-Wellnesstempel zum überraschend günstigen Preis.

Überlegen Sie sich ganz genau, an wen Sie schreiben und wie. Schaffen Sie ein vertrautes und behagliches Gefühl bei Ihrem Kunden. Und keine Sorge: Dafür müssen Sie keineswegs flapsig oder betont jugendlich daherkommen. Denn einige wenige Noten machen schon eine ganz andere Melodie. Nicht immer muss es die zwar formal richtige, aber gleichzeitig auch distanzierte Anrede „Sehr geehrter Herr / Sehr geehrte Frau“ sein. Kennt man seinen Adressaten (sehr) gut, kann auch die Anrede persönlicher werden: „Lieber Herr Maier / Liebe Frau Meier“.

Ein Wort zum Schluss …
Was bei persönlichen Briefen immer gilt: Sie sind formal richtig gestaltet, haben eine klare Absatzstruktur, Hervorhebungen, nennen den Empfänger schon in der Anrede beim Namen und sprechen klar und deutlich in kurzen Sätzen. Aber: Mit Formalitäten geben wir uns hier nicht zufrieden. Die Tonalität macht den Unterschied. Denn sie bestimmt, wie Sie Ihren Brief sprechen lassen: freundlich, offen, kreativ, emotional. Und das entscheidet über die Reaktion des Lesers und darüber, ob mit Sympathie oder Antipathie gelesen wird.

Autor und Urhebers dieses Texttipps ist Stefan Gottschling von der Textakademie Augsburg

Foto: © Rainer Sturm / PIXELIO

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